What doesn’t kill you makes you stronger

Ich verlasse die Arztpraxis. Wie ich mich fühle weiß ich in diesem Moment nicht. Irgendwie fühlt sich alles stumpf und grau an, genauso wie die Stimmung um mich herum in Bochum in diesem Augenblick. Bis dann plötzlich doch Wut in mir hochkommt. Die ersten Tränen rollen über mein Gesicht. Ich bin so traurig und wütend zugleich. Ich bin traurig, dass mein Körper so leiden muss und wütend, dass ich nicht mehr dagegen getan hab. Noch nie war ich ein Patient, der so schnell wie möglich eine Behandlung brauchte. Noch nie hatte ich das Gefühl ernsthaft krank zu sein.

Im Oktober wurde ich von Parasiten befallen, mit denen (oder der Folge dessen) ich noch immer zu kämpfen habe. Ich habe knapp zehn Kilogram verloren, verdaue nicht mehr richtig und bin innerlich entzündet. Ich habe ein paar Tausend Euro für verschiedene Heilverfahren ausgegeben, zwei mal Antibiotika genommen, die meine Darmflora zerstört haben, einen nächtlichen Besuch in der Notaufnahme und einen Mix aus Optimismus und Hoffnungslosigkeit hinter mir. Meine Motivation und Inspiration gingen in den letzten Monaten in der Toilette unter, da einfach kein Platz mehr dafür da war oder ich keinen Platz dafür schaffen wollte. Meine Darmmitbewohner quartierten sich gemütlich ein und entschieden, dass ich eine top Gastgeberin bin.

Ich weiß, es klingt bemitleidenswert. Darum geht es mir hier aber nicht. Es geht mir viel mehr darum, wie es so weit kommen konnte, dass ich noch immer nicht gesund bin und was ich daraus gelernt habe. Denn jeder von uns findet sich mal in Phasen wieder, die einen entweder wachsen lassen oder auch zerstören können (wenn man es erlaubt).

Gerade solche Zeiten bringen enormen Wachstum und Einsichten mit sich, die wir sonst nicht erlangen könnten. Die wichtigsten Lehren kommen sehr oft schmerzhaft daher. An manchen Tagen ist es schwer motiviert zu bleiben, um den positiven Ausblick nicht zu verlieren. Aber gerade dann ist es wichtig stark zu bleiben und sich nicht aufzugeben.

Ich weiß, dass es rückblickend sogar Sinn machen wird. Jetzt schon kann ich manche Dinge klarer sehen und weiß, wofür es gut war…auch wenn meinem Hirn das Licht noch nicht komplett aufgegangen ist. Ich weiß, dass der „Aha-Moment“ noch kommt.

Denn schon aus früheren Erfahrungen weiß ich, dass genau aus solchen Zeiten etwas wundervolles und lehrreiches gedeiht. Veränderung und Wachstum stehen an.

 

Bleibe niemals in der Misere stehen.
Steh wieder auf.
Geh weiter.
Auch wenn du nur langsam voran kommst.
Denn du hast es verdient glücklich zu sein.
Wenn du mitten in der Misere stehenbleibst, gibst du dich auf.

Aber wofür sollen schwere Zeiten bitte gut sein?

Jeder von uns fällt mal. Der eine etwas tiefer als der andere. Doch keiner bleibt davon verschont. So kommt das Leben mit seinen Lektionen halt daher.

Viele wurden schon betrogen, verlassen, haben schwere Krankheiten hinter sich, Familienprobleme, wissen nicht wie sie finanziell über die Runden kommen sollen oder haben Angehörige verloren.

Doch es gibt eine wichtige Sache, die Menschen voneinander unterscheidet:
Die einen stehen wieder auf und die anderen geben sich auf.

Deine Reaktion ist wichtiger als die Situation

Es gibt Menschen, die hat es schon hart getroffen. Doch irgendwie rappeln sie sich immer wieder auf, da Aufgeben keine Option für sie ist. Sie wissen, dass das Leben Höhen und Tiefen hat und das jeder mal kämpfen muss.

Wiederrum andere geben sich schnell auf und beschuldigen andere Menschen und die Umstände für ihr Leiden.

Das Leben gibt es aber nun mal nur mit Herausforderungen. Und wir können uns entscheiden, ob wir diese meistern möchten oder nicht.

Entscheiden wir uns dazu, aus schwierigen Situationen zu lernen, dann wachsen wir auch. Unser Fundament wird dadurch stärker und stärker. Nichts kann uns dann so schnell wieder umhauen.

Life is a song – sing it.
Life is a game – play it.
Life is a challenge – meet it.
Life is a dream – realize it.
Life is a sacrifice – offer it.
Life is love – enjoy it.
– Sai Baba

Finde den Sinn in der Herausforderung

Bei vielen Menschen sind es die schwierigen Phasen im Leben, die sie aufrütteln und dadurch die nötige Veränderung in Gang gesetzt wird. Es muss dann nämlich in Momenten gekämpft werden, in denen wir am verletzlichsten sind.

Kontrollieren können wir das Leben nicht, also macht es keinen Sinn nur zu jammern und sich aufzugeben.

„Wäre ich nicht mit XY zusammen gewesen, dann hätte ich jetzt auch kein Herzschmerz.“

 

„Hätte ich einen anderen Weg zu Arbeit genommen, dann hätte ich auch keinen Unfall gebaut.“

Jede Erfahrung kommt mit einer Erkenntnis daher. Und diese Erkenntnis hilft uns weiter. Sie muss aber nicht immer auf Anhieb Sinn machen.

Kein Liebeskummer war umsonst.
Keine Krankheit kommt ohne Einsichten.

Ich konnte mich zum Beispiel durch zwischenmenschliche Probleme besser kennenlernen. Sie zeigten mir meine Grenzen auf, meine Werte und auch meine Baustellen.

Schwere Zeiten sind unsere Lehrer. Wir müssen kämpfen und sind dabei verletzlich. Und wir entscheiden, ob wir aus diesen Zeiten lernen wollen oder nicht. Sie bringen uns etwas bei, geben uns Einsichten und helfen uns die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen.

Wenn dein Partner dich nicht betrogen hätte, dann hättest du auch nicht die andere wundervolle Person kennengelernt. Oder vielleicht wärst du dann nicht auf Reisen gegangen oder umgezogen. Auch hättest du nicht gelernt alleine zu sein und es zu genießen.

Wäre die Krankheit nicht gewesen, hättest du dir keine tiefgehenden Gedanken über dein Leben gemacht. Vielleicht wärst du deiner Familie sonst auch nicht wieder näher gekommen.

Wenn du nicht gekündigt worden wärst, hättest du dir niemals Gedanken über Alternativen gemacht, die dich letztendlich viel glücklicher machen.

Es ist doch letzten Endes immer so: wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.

Bleibe offen, wenn du dich verschließen möchtest

Fühlst du dich in schweren Zeiten auch manchmal mental und emotional ausgelaugt? Fällt es dir schwer morgens das Bett zu verlassen und etwas zu unternehmen?

Und nun denk mal umgekehrt an Zeiten, in denen du verliebt, begeistert oder von einer Sache inspiriert bist. Wahrscheinlich sind das eher Zeiten, in denen du nur so vor Energie strotzt. Und genau in diesen Zeiten schöpfen wir von einer ganz wichtigen Energiequelle.

In jedem von uns ist eine gewaltige Menge an Energie vorhanden, die nicht vom Essen oder Schlafen kommt. Nur können wir von dieser Energiequelle nur schöpfen, wenn wir offen bleiben und bei schmerzhaften Erfahrungen nicht dicht machen.

Ich rede hier vom Herzen. Und das Herz ist ein sehr wichtiges Energiezentrum, das wir öffnen und schließen können. Yogis bezeichnen Energiezentren als Chakren.

Wenn du dein Herzzentrum verschließt, kann auch keine Energie hineinfließen.

Stell dir mal vor, du denkst, dass dein Partner dich betrügt. Automatisch verschließt du dein Herz und es herrscht Dunkelheit. Findest du dann aber heraus, dass dein Partner nichts Falsches getan hat, öffnet sich dein Herz wieder. Dadurch wirst du wieder mit Energie erfüllt und die Liebe beginnt erneut zu fließen.

Ich weiß, dass es in schwierigen Situationen nicht einfach ist offen zu bleiben. In den letzten Wochen habe ich mich immer wieder dabei erwischt, dass ich dicht machen wollte. Nur ist dies keine Option, da ich mir damit selbst nur schade. Ab dem Punkt wäre ich blockiert und hätte nur noch sehr wenig Energie.

Offen bleibst du, indem du dich ganz bewusst dafür entscheidest. Wenn du dich dabei erwischt, wie du dich verschließt, frage dich ob es das wert ist. Denn wenn du dein Herz verschließt, schützt du dich nicht wirklich, sondern schneidest dich nur von deiner Energiequelle ab. Mein größtes Hilfsmittel hierbei ist die Meditation.

Nichts bleibt, wie es ist

Eine Sicherheit gibt es im Leben: nichts bleibt, wie es ist. Alles kommt und geht. Gutes kommt und geht. Schlechtes kommt und geht.

Veränderung ist unsere einzige Konstante…ob wir es wollen oder nicht. Und genau das im Hinterkopf zu behalten ist verdammt wichtig. Denn auch schwere Zeiten vergehen und bleiben nicht für immer.

Es geht darum die Ereignisse zu nutzen.
Zu lernen.
Zu wachsen.
Immer wieder aufzustehen, auch wenn dir manchmal nicht danach ist.

Rückblickend macht alles Sinn

Das Leben und seine Ereignisse macht oft erst rückblickend Sinn. Erst dann können wir all die Punkte miteinander verbinden und verstehen.

Jede Krise bringt Chancen mit sich. Im ersten Moment sind die Chancen nicht offensichtlich. Das liegt aber einfach nur daran, dass der Fokus auf das Problem ausgerichtet ist und nicht auf die Chancen, die Veränderungen mit sich bringen.

Wir alle sitzen in dem selben Boot.
Jeder bekommt die Erfahrung, die er braucht.
Auf den ersten Blick scheinen manche Erfahrungen unfair und hart zu sein.
Wenn die Zeit aber vergeht, kommt auch das Verständnis und vielleicht sogar Dankbarkeit für die schwere Zeit.

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  1. Claudia 4 Monaten ago

    So wundervoll und toll geschrieben, bin beeindruckt. Und du hast so recht. Ich habe auch einiges durchgemacht in den letzten vier Jahren und sah das Ende vom Tunnel nicht mehr. Rückblickend betrachtend hatte alles seine Gründe und Sinn und ich verstehen und kann es verarbeiten. Aber ich habe mir schon immer gesagt, im Leben kommt alles zurück. Es werden auch wieder besser Zeiten kommen. Ich selber brauche manchmal etwas länger um aus einer negativ Spirale raus zu kommen, aber ich bin ein Stehaufmännchen. Jetzt, seit ein paar Monaten bin ich im flow… geholfen hat mir mein Blog. Durch meinen Blog habe ich ein Arbeit, einen Sinn und ein Ziel gefunden, mein Baby, meine „Business“.
    Ich wünsche dir für deine Gesundheit und deine Zukunft alles Gute, es wird gut kommen.
    Lieber Gruss Claudia

    • Author
      Evelin Chudak 4 Monaten ago

      Liebe Claudia,
      es freut mich sehr zu lesen, dass du im Flow bist und dass du die schwierigen Zeiten überstanden hast.
      Einen tollen Blog hast du da auf die Beine gestellt :)..und bloggen ist sicherlich nicht peinlich, sondern befreiend 😀
      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und so viel Flow, wie nur möglich 😉
      Liebe Grüße,
      Evelin

  2. Celina 4 Monaten ago

    Hallo Evelin,
    Wurde genau diese Woche von so einem negativ Erlebnis überrollt und wusste erst gar nichts damit anzufangen und war völlig überfordert. Dann fing ich an zu hinterfragen, meine innere Stimme zu wecken und plötzlich lösten sich so viele Knoten in meinem Kopf. Es war und ist immer noch nicht so einfach. Aber die neu gewonnene Klarheit befreit so viel mehr. Und plötzlich begann mein ganzes Leben ins rollen zu kommen. Ich kann das alles kaum begreifen und es wird noch ein langer Weg sein. Aber ich habe mir diesen Weg jetzt komplett frei geräumt. Nun muss ich ihn gehen und mich treiben lassen. Ich freue mich drauf.
    In dieser Zeit fing ich dein Buch an zu lesen und es half mir wirklich sehr weiter. Ich habe verstanden, dass ich mit meiner Einstellung gar nicht allein bin und meine Grundeinstellung auch nicht so falsch ist wie ich immer dachte. Ich danke dir sehr dafür, dass du uns dabei anregst unsere Augen zu öffnen.
    Mir geht es so viel besser, habe so viel Energie auch wenn manche Dinge immer mal wieder weh tun, habe ich die Kenntnis dazu gewonnen auf mein Inneres zu hören. Das ist so viel besser wenn auch nicht immer leicht. Aber wie du schon sagtest, es spielt keine Rolle wie oft man fällt, denn das Einzige was zählt ist das wieder aufstehen. 🙂
    Ganz liebe Grüße aus Bochum 🙂
    Celina (happiness_seeker00)

    • Author
      Evelin Chudak 4 Monaten ago

      Liebe Celina,
      es hört sich nach einer intensiven Zeit bei dir an und ich wünsche dir ganz viel Stärke währenddessen.
      Und toll, dass sich schon so viele Knoten bei dir lösen konnten. Ich glaube, dass all dies nur geschieht wenn wir dazu bereit sind und genug Stärke besitzen.
      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg!
      Aho!
      Eve

  3. Lu 4 Monaten ago

    Hallo Eve,
    ich bin schon lange stille Mitleserin deines Blogs und wollte dir nun gute Besserung wünschen.
    Mit diesem Artikel hast du mir total ins Herz getroffen.

    In der Vergangenheit hatte ich einen Klinikaufhenthalt und eine schwere Zeit, aber im nachhiein bin ich daran gewachsen und habe die schönste Zeit meines Lebens (bis jetzt) 2 Jahre lang in Spanien gehabt. Auch momentan geht es mir körperlich nicht unbeddingt gut, da ich starke Verspannungen im Brust- und Halsbereich habe. Ichh kann kaum schlafen und ohne Ibuprofen vergeht kein Tag, allerdings zeigt die Physio langsam ihre Wirkung und es ist mir ein Ansport, wieder mehr Sport zu treiben und auf meine Haltung zu achten. 😉

    Liebste Grüße, Lu

    • Author
      Evelin Chudak 4 Monaten ago

      Liebe Lu,

      ich danke dir 🙂 Deine Worte haben mich sehr ermutigt.

      Ich wünsche dir auch eine gute Besserung und hoffe, dass danach noch bessere Zeiten als zuvor schon auf dich warten.

      Liebe Grüße,
      Evelin

  4. ja na 4 Monaten ago

    dein text kommt gerade zur richtigen zeit.
    wir begleiten meine mama gerade aufgrund ihrer schweren erkrankung beim sterbeprozess. und es kostet mich so verdammt viel kraft sie zu unterstützen. kraft, nicht ständig darüber nachzudenken, dass der tod 30 jahre zu früh kommt. kraft, zu funktionieren. dabei merke ich gar nicht, wie stark ich tatsächlich im moment für sie bin.
    dein text baut mich auf. er baut mich auf, darauf zu vertrauen, dass alles kommt, wie es kommen wird. und zu akzeptieren.
    danke

    • Author
      Evelin Chudak 4 Monaten ago

      Liebe Jana,
      wir alle sind so viel stärker, als wir es glauben.
      Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Vertrauen während dieser schmerzhaften Zeit!
      Deine Mama ist bestimmt sehr dankbar dafür, dass ihr für sie da seid. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass wir geistige Wesen sind und wir mit dem Tod nicht wirklich sterben. Deine Mama wird in guten Händen sein.
      Fühl dich umarmt,
      Evelin

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